Der betrunkene Schiedsrichter, der Bremen zum Lachen brachte – und eine Kneipenlegende schuf
Mirjana SchachtDer betrunkene Schiedsrichter, der Bremen zum Lachen brachte – und eine Kneipenlegende schuf
Vor genau fünfzig Jahren wurde ein Bundesliga-Spiel zu einem skurrilen Spektakel, als Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder die erste Halbzeit bereits in der 32. Minute abpfiff – sichtbar angetrunken. Der Vorfall aus dem Jahr 1975 entwickelte sich zu einem der berüchtigtsten Momente des deutschen Fußballs. Jahrzehnte später lebt er in lokalen Bräuchen und der Kneipenkultur rund um Bremen weiter.
Ahlenfelder traf zum Ligaspiel im Bremer Weser-Stadion ein, nachdem er ein Bier und einen Malteser-Kräuterlikör getrunken hatte. Sein alkoholisierter Zustand war so offensichtlich, dass ihn Funktionäre vor Anpfiff zur Rede stellten. Um ihn zu nüchternen, gaben sie ihm eine kalte Dusche und rieben ihn mit Eukalyptusöl ein, um den Alkoholgeruch zu überdecken.
Auf dem Platz führte sein getrübtes Urteilsvermögen zu einem Chaos: Irrtümlich pfiff er die Halbzeit bereits nach 32 Minuten ab und hinterließ ratlose Spieler und Fans. Trotz des Patzer ging das Spiel weiter – und die Geschichte wurde schnell zur landesweiten Schlagzeile. Medien wie Bild und Kicker tauften Ahlenfelder zum "lustigsten Schiedsrichter der Liga" und machten ihn über Nacht zur Berühmtheit.
Selbst Werder Bremens damaliger Präsident Franz Böhmert sah die humorvolle Seite der Angelegenheit. Die Geschichte blieb unvergessen und inspirierte eine Kneipe in Stadionnähe, sich zu seinen Ehren in "Ahlenfelder" umzubenennen. Gleichzeitig etablierte sich in Bremen das Bestellen eines "Ahlenfelder" – ein Bier mit einem Schuss Malteser-Likör – als langjährige Tradition.
Trotz der Blamage litt Ahlenfelders Karriere nicht darunter. Er leitete anschließend 106 Bundesliga-Partien und festigte seinen Ruf als einer der besten Schiedsrichter Deutschlands.
Der Vorfall von 1975 bleibt eine kurieuse Fußnote der Bundesliga-Geschichte. Dank des "Ahlenfelder"-Getränks und der gleichnamigen Kneipe wird sein legendärer Auftritt bis heute gefeiert. Zwar gibt es keine Aufzeichnungen, wie viele Spiele er nach dem Eklat noch pfiff – doch sein Erbe als "betrunkenster Unparteiischer" des Fußballs lebt weiter.