Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainische Identität
Gotthold UllmannBulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainische Identität
Am 4. Juni 2023 wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss dazu kam vom Stadtrat im Rahmen einer umfassenderen Initiative, Symbole mit Bezug zum russischen imperialen Erbe abzubauen. Die Statue hatte jahrzehntelang vor dem Bulgakow-Museum am Andrejassteig gestanden.
Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk kritisierte die Aktion später als sinnlosen Versuch, „den Schriftsteller mit einem Kran zu besiegen“.
Die Entfernung erfolgte im Einklang mit einer Richtlinie des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung, die darauf abzielt, kulturelle Bezüge zum russischen Imperialismus zu tilgen. Bulgakow, der zwar 1891 in Kiew geboren wurde, gehörte zu den Persönlichkeiten, die von dieser Maßnahme betroffen sind. Seine Werke, darunter Der Meister und Margarita, werden in der Ukraine nach wie vor viel gelesen.
Popadjuk, die Bulgakows Schriften mit vierzehn Jahren erstmals las, verteidigte sein Erbe. Sie betonte, wie seine Romane die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft entlarvten. In ihrer Stellungnahme zitierte sie die Worte des Autors: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“
Die Entscheidung spaltet die öffentliche Meinung. Befürworter argumentieren, die Entfernung stehe im Einklang mit den Entkolonialisierungsbestrebungen der Ukraine. Andere sehen in Bulgakow einen unverzichtbaren Teil der kulturellen Geschichte Kiews und verweisen auf seine ukrainischen Wurzeln sowie seine frühe Tätigkeit als Arzt im Land.
Der Abbau des Denkmals markiert einen weiteren Schritt in der ukrainischen Kampagne, sich von russischen Kultursymbolen zu lösen. Popadjuks Kritik spiegelt die breitere Debatte über Erbe und Identität in der Region wider. Das Bulgakow-Museum am Andrejassteig steht nun ohne sein langjähriges Wahrzeichen da.






