Baugenehmigungen steigen – doch die Wohnungsnot in Deutschland bleibt akut
Gotthold UllmannBaugenehmigungen steigen – doch die Wohnungsnot in Deutschland bleibt akut
Neue Zahlen zeigen, dass die Baugenehmigungen in Deutschland im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2022 um 10,7 Prozent stiegen. Besonders stark legte der Bau von Einfamilienhäusern zu – hier gab es ein Plus von 21,4 Prozent. Experten warnen jedoch, dass dieser Anstieg die Wohnungsnot im Land kaum lindern dürfte.
Vorläufige Daten zeichnen für das Baujahr 2023 ein gemischtes Bild: Zwar stieg die Gesamtzahl der Genehmigungen, doch liegt sie weiterhin 24 Prozent unter dem Niveau von 2022. Auch bei Mehrfamilienhäusern gab es einen Zuwachs, allerdings nur um 4,8 Prozent.
Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds in Nordrhein-Westfalen, bezeichnete den Anstieg der Genehmigungen als 'positives Signal'. Gleichzeitig betonte er, dass der Fokus auf Einfamilienhäuser und Luxuswohnungen das Kernproblem nicht löse. Schätzungen des ifo Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge benötigt Deutschland jährlich rund 320.000 neue Wohnungen – davon ein erheblicher Anteil als bezahlbarer oder sozialer Wohnraum.
Witzke verwies auf ein Defizit von etwa 1,4 Millionen günstigen Mietwohnungen, wie es der Sozialwohnungsmonitor 2026 des Pestel-Instituts ausweist. Um die Nachfrage zu decken, forderte er den Bau von 25.000 neuen Sozialwohnungen pro Jahr. Die endgültigen Statistiken für 2023 werden Ende April veröffentlicht.
Die aktuellen Genehmigungszahlen deuten auf eine gewisse Erholung der Bautätigkeit hin. Angesichts der weiterhin deutlich höheren Nachfrage – vor allem nach bezahlbarem Wohnraum – dürfte der Anstieg jedoch nicht ausreichen, um die Lücke zu schließen. Die offiziellen Daten im April werden ein genaueres Bild der Entwicklungen des vergangenen Jahres liefern.