Apotheken starten "Protestfrühling" gegen Lauterbachs Sparpolitik und Personalnot
Gerlinde HeinrichApotheken starten "Protestfrühling" gegen Lauterbachs Sparpolitik und Personalnot
Thomas Preis, der Vorsitzende der Bundesapothekerkammer (ABDA), hat erklärt, dass die politische Flitterwochenphase für die schwarz-rote Koalition nun vorbei sei. Ende Januar kündigte er einen "Protestfrühling" an und mobilisierte damit alle 16.000 Apotheken und ihre Mitarbeiter hinter einer öffentlichen Petition für fairere Finanzierung und bessere Arbeitsbedingungen.
Preis kritisierte die Haltung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach zur Apothekenfinanzierung als konfrontativer als die seiner Vorgängerin, Anna Lührmann. Während Lührmann noch den Dialog gesucht habe, lehne Lauterbach spürbare Erhöhungen der Abgabegebühren ab und setze stattdessen auf Kostendämpfung. Beide Minister seien jedoch mit anhaltendem Druck der Apotheken konfrontiert, die unter Personalmangel und steigenden Betriebskosten litten.
Die ABDA hatte über 40 Änderungsvorschläge zu den Entwurfplänen des Ministeriums eingereicht, doch die meisten wurden abgelehnt. Preis nannte insbesondere das Konzept der "Apotheken ohne Apotheker" – eine Idee, die er entschieden ablehnt – als wiederkehrendes Problem aus früheren Vorlagen. Zudem wies er auf die Ungleichheit bei den Verhandlungen hin: Während Ärzte höhere Vergütungen durchsetzen konnten, gingen Apotheken, die weniger als die Hälfte der finanziellen Belastung tragen, leer aus.
Der Verband fordert nun eine feste Gebührenerhöhung auf 9,50 Euro und stellt dies als dringende Notwendigkeit, nicht als Zugeständnis dar. Preis betonte, dass alle anderen Bereiche des Gesundheitswesens jährliche Anpassungen aushandeln, nur Apotheken blieben davon ausgeschlossen. Er verlangte die vollständige Umsetzung des Koalitionsvertrags ohne Ausnahmen und pochte auf eine faire Verhandlungslösung mit regelmäßigen Aktualisierungen.
Die geplanten Proteste zielen auf schnelle Veränderungen ab – Preis machte klar, dass Apotheken nicht auf schrittweise Reformen warten könnten. Sollte die Kampagne erfolgreich sein, könnte sie zu höheren Festgebühren und besseren Arbeitsbedingungen für das Personal führen. Die Reaktion der Regierung wird zeigen, ob die Forderungen des Sektors erfüllt werden oder ob sich die Spannungen weiter verschärfen.