Aktivistin deckt umstrittene Jugendgedichte von Kulturminister Weimer auf
Mirjana SchachtAktivistin deckt umstrittene Jugendgedichte von Kulturminister Weimer auf
Die Aktivistin Martha Root hat eine frühe Gedichtsammlung von Minister Wolfram Weimer an die Deutsche Nationalbibliothek gespendet. Der Band Kopfpilz wurde 1986 von Weimer im Alter von 22 Jahren im Selbstverlag veröffentlicht. Root stellte das Werk zudem nach der Digitalisierung kostenlos online zur Verfügung.
Die Sammlung enthält umstrittene Gedichte wie Vorfreude und Unglück. Root kritisiert diese Texte als plump und beleidigend und wirft ihnen vor, eine „Vergewaltigungskultur“ zu verherrlichen. Erstmals machte sie auf Weimers frühe Werke aufmerksam, als sie im Dezember 2022 beim Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform White Date infiltrierte.
Root argumentiert, dass Weimers Weigerung, sich zu seinen frühen Schriften zu äußern, besorgniserregend sei. Als Minister mit Einfluss auf die Kulturpolitik werfe sein Schweigen Fragen nach Verantwortung auf. Ihre Aktion ist Teil einer breiteren Kritik an seiner Politik und möglichen Interessenkonflikten.
Im Mai 2023 übergab Root ein physisches Exemplar von Kopfpilz an die Deutsche Nationalbibliothek. Zudem lud sie eine digitale Version auf Archive.org hoch, um den öffentlichen Zugang zu gewährleisten. Darüber hinaus plant sie, ein weiteres physisches Exemplar zu versteigern – der Erlös kommt der Initiative Lesen Hilft zugute, die linke Buchhandlungen unterstützt. Weimers Ministerium hatte zuvor behauptet, physische Mediensammlungen seien im digitalen Zeitalter nicht mehr relevant.
Durch die Spende und die Online-Veröffentlichung von Kopfpilz sind Weimers frühe Werke nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Roots Vorgehen unterstreicht die Spannung zwischen seinen damaligen Texten und seiner heutigen Rolle in der Kulturpolitik. Die Versteigerung soll zudem unabhängige Buchhandlungen fördern, die ihrer politischen Haltung nahestehen.






