35-Millionen-Wasserstoffprojekt in Düren droht am mangelnden Bedarf zu scheitern
Gerlinde Heinrich35-Millionen-Wasserstoffprojekt in Düren droht am mangelnden Bedarf zu scheitern
35-Millionen-Euro-Wasserstoffprojekt in Düren: Verzögerungen und finanzielle Probleme
Ein mit 35 Millionen Euro veranschlagtes Wasserstoffprojekt in Düren steht vor Verzögerungen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Die 10-Megawatt-Elektrolyseanlage im Brainergy Park in Jülich, die mit 14,7 Millionen Euro vom Bund gefördert wird, sollte eigentlich 20 Wasserstoffbusse versorgen. Doch wegen deutlich höherer Produktionskosten als geplant und geringer Nachfrage steht die Zukunft der Anlage – und damit auch der Busse – auf dem Spiel.
Die Elektrolyseanlage war darauf ausgelegt, bis zu 180 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde oder etwa 1.577 Tonnen pro Jahr zu erzeugen. Doch der Fuhrpark von 20 Bussen in Düren verbraucht jährlich nur rund 72 Tonnen – die Anlage läuft damit bei weniger als fünf Prozent ihrer Kapazität. Allein die Investitionskosten treiben den Wasserstoffpreis auf 69 Euro pro Kilogramm, während die Gesamtkosten – inklusive Strom und Wartung – zwischen 105 und 140 Euro pro Kilogramm liegen.
Verzögerter Start und Risiko von Engpässen Durch Bauverzögerungen könnte die Anlage nicht wie geplant in Betrieb gehen. Selbst nach der Inbetriebnahme droht eine längere Testphase, in der es zu Wasserstoffknappheit für die Busse kommen könnte. Falls die Tankstelle unwirtschaftlich wird, könnte der Betreiber H2 Mobility sie schließen – und die Busse ohne Treibstoff dastehen lassen.
Die Probleme des Projekts spiegeln allgemeine Schwierigkeiten bei Wasserstoff-Pilotvorhaben wider. Erfahrungen aus Aberdeen und Kalifornien zeigen, dass kleine Testprojekte selten zu nachhaltigen Systemen ausgebaut werden. Zudem erfordert die Hochdruck-Infrastruktur deutlich mehr Wartung, als frühere Modelle vorhersagten.
Fördergelder fließen – doch die Nachfrage fehlt Unterdessen hat Nordrhein-Westfalen die Wasserstoffförderung stark ausgebaut. Seit 2022 übersteigen die Landeszuschüsse 500 Millionen Euro, mit Initiativen wie dem Hydrogen Valley Ruhr und aktualisierten Strategien zur Ausweitung der Elektrolysekapazitäten. Doch ohne eine deutlich höhere Nachfrage droht die Düren-Anlage ein teures Experiment zu bleiben – statt einer skalierbaren Lösung.
Umweltvorteile fraglich Während Dieselbusse etwa 79,5 Tonnen CO₂ pro Jahr ausstoßen, liegen die Emissionen der Wasserstoffbusse in Düren – je nach Strommix – zwischen 43,9 und 86 Tonnen. Zum Vergleich: Elektrobusse mit Batterie kommen auf rund 34,2 Tonnen jährlich.
Die Elektrolyseanlage in Jülich wurde für einen deutlich größeren Wasserstoffmarkt konzipiert, als der aktuelle Bedarf in Düren deckt. Ohne eine Verzehnfachung der Nachfrage bleibt die Anlage unwirtschaftlich – und gefährdet damit sowohl ihren Betrieb als auch die Zukunft der Wasserstoffbusse im Kreis. Das Projekt wird zeigen, ob öffentliche Förderung allein aus Pilotprojekten tragfähige Energiesysteme machen kann.